letzter Gruß an Schwester de Pace

 

* 24. Januar 1933      † 30. Juli 2011

"Wir bitten für Sr. de Pace, die am vergangenen Wochende verstorben ist,
vergelte ihr all ihre Liebe und das Gute, das sie in ihrem entbehrungsreichen Leben und dem Wirken für andere getan hat.
Lasse sie Deine Herrlichkeit schauen und zur ewigen Freude gelangen."

 


 


Traunreuter trauern um Schwester de Pace

Traunreut/Harare (mix). Schwester de Pace ist tot. Die bewundernswerte und aufopferungsvolle Oberin der Gokomere Missionsstation in Zimbabwe starb in Harare, der Hauptstadt des afrikanischen Landes. Die 78-jährige Ordensfrau hatte seit zwei Jahren Blutkrebs. Viele Traunreuter haben die liebenswerte Schwester anlässlich ihrer Besuche kennen und schätzen gelernt


Schwester de Pace bei ihrem Besuch in Traunreut im Jahr 2004, als sie jede Menge Kugelschreiber mit nach Zimbabwe nahm, die für ihre Schüler überaus wertvoll waren. Foto: Mix

Aus den Erlösen verschiedenster Märkte im Lauf jedes Jahres erhielt ihre Missionsstation seit Jahren Geld- und Sachspenden. Für jede Spende bedankte sich Schwester de Pace mit einem persönlichen Brief und berichtete dabei immer wieder von den schlimmen Zuständen in Zimbabwe, aber auch von der großen Freude, die die Kinder in ihrer Missionsschule mit den gespendeten Sachen hatten.

Durch einen Bekannten erfuhr die Familie Marquardt vor mehr als zehn Jahren von der aufopfernden Arbeit der Schwester in der Mission. Nachdem eine erste Spende überwiesen worden war, kam ein lieber Brief aus Afrika zurück, in dem die Verwendung des Geldes beschrieben wurde, und so entstand bald ein reger Briefwechsel zwischen Traunreut und Zimbabwe. Bei einem Besuch in Traunreut im Sommer 2000 berichtete die Schwester anschaulich von ihrer Arbeit und vom Leben in dem afrikanischen Land, wo es sehr ärmlich zuging und schlichtweg an allem mangelte. Die 1300 Schülerinnen und Schüler der Secondary School in Gokomere hatten und haben keine richtigen Schulsachen. Es fehlte an Heften und Stiften, Waschartikeln, Kleidung, Medikamenten, Verbandszeug, Spielzeug und natürlich Essen. Seit mehreren Jahren spendeten daher die Traunreuter Bastelfrauen regelmäßig, und auch unzählige Kisten voll Sachspenden wurden per Container verschickt. Seit einiger Zeit werden jedoch aufgrund der hohen Portokosten keine Waren mehr verschickt, sondern es wird nur noch Geld überwiesen.

Die im Kreis Heilbronn geborene Schwester erzählte anlässlich ihrer Besuche in Traunreut auch ihre eigene Geschichte. Sie hatte schon als Kind den Wunsch, einmal Ordensschwester zu werden. Als sie Schreibmaschine schreiben lernte, schrieb sie zu Übungszwecken alles ab, was ihr in die Finger kam, eines Tages auch die Bibel. Beim Satz „Gehet hinaus in die Welt und lehret alle Völker...“ traf sie wie ein Schlag die plötzliche Erkenntnis, dass sie einem Missionsorden beitreten und in armen Ländern wirken wolle. 1951 trat sie in ein Dominikaner Kloster in der Oberpfalz ein und wurde schon bald danach in die weite Welt geschickt. Zuerst war sie in der Verwaltung tätig und lernte dabei einige Missionsstationen kennen. Dann wurde sie nach Sambia geschickt, um dort eine Schule aus dem Nichts aufzubauen. Zehn Jahre blieb sie dort, bevor sie nach Zimbabwe kam, wo sie bis zu ihrem Tod lebte und zuhause war.

Die Krankheit schwächte Schwester de Pace in den letzten zwei Jahren zunehmend. Doch trotz allem war sie, so oft es ihr möglich war, bei „ihren“ Kindern in der Missionsstation. In ihrem letzten Brief an die Traunreuter Pfarrgemeinde vom Januar schrieb sie: „Sobald ich an meinen guten Tagen vor meinen Kindern in der Schule stehe und unterrichte, fühle ich mich voller Kraft. Sie erhalten mich am Leben mit ihrem Gebet und ihrer Liebe.“ Sie wusste allerdings auch genau, wie es um sie stand und schrieb an die Traunreuter: „Darf ich Sie innigst bitten, Gokomere weiter zu unterstützen und nicht im Stich zu lassen, sollte mein Blutkrebs weitere Folgen haben.“ Auch weiter wollen die Bastelfrauen aus Traunreut Geldspenden nach Gokomere schicken. Neue Ansprechpartnerin in Zimbabwe ist Schwester Anne, die einen ausführlichen Brief über die Beerdigung von Schwester de Pace geschickt hat und in Zukunft den Eingang der Spendengelder aus Traunreut überwachen wird.

Helga Marquardt, die mit ihrem Mann Bernd über all die Jahre den Kontakt zu Schwester de Pace pflegte und auch den Versand der Spenden organisierte, schmerzt es sehr, dass der einzige Wunsch der selbstlosen Schwester nicht in Erfüllung ging: „Sie hat nie etwas für sich selber gewünscht, sie wollte immer nur, dass wir für ihre Schüler etwas geben. Ihr einzigerWunsch war, einmal in Gokomere beerdigt zu werden.“ Dieser wurde jedoch vom Orden nicht erfüllt, die Schwester wurde unter großer Anteilnahme beim Mutterhaus in Harare beerdigt. Ein ehemaliger Schüler von Schwester de Pace war Hauptzelebrant und sagte: „Today we bury a hero“ („Heute beerdigen wir eine Heldin.“). Dass sie in all den Jahren in Afrika beinah zu einer Heiligen wurde, bestätigt auch das Vorhaben von einigen ehemaligen Schülern, die für die Schwester in Gokomere ein Denkmal errichten lassen.

Informationen über das Wirken von Schwester de Pace finden sich auf der Homepage der katholischen Pfarrei Traunreut: www.zum-heiligsten-erloeser.de/SrDePace/index.htm