Wenn auch die Jahre vergehen, bleibt doch die Erinnerung wach............. 

Wastl die Kirchenmaus erzählt aus der Geschichte der Kirche Zum Heiligsten Erloeser in Traunreut.

Grüß euch Gott alle mit einander! Ich bin der Wastl! Von Beruf bin ich Kirchenmaus in der Traunreuter Kirche. Ja, man hat´s nicht leicht so als einschichtiger Mäuserich. Heiraten, das war für mich nie drinnen, denn das Geld ist bei der Kirch ja bekanntlich immer knapp. Und allein, da kommst schon irgendwie durch. Jammern tun die Pfarrer ja immer, obwohl die Zeiten schon viel besser geworden sind. Wenn ich da an das Jahr 1950 zurückdenke, da sträuben sich heut noch meine Barthaar. 1950 hab ich noch in der Notkirch am Traunring a kloans Mausloch gehabt, gleich unter dem Beichtstuhl. Wenn´s ma langweilig war, dann bin ich immer daheimgeblieben, wenn die hochwürdigen Herren – ich glaub Pfarrer Wappmannsberger, Kaplan Haab und Dr. Keller haben die geheißen -die Beicht gehört ham! Mei, des war interessant, des kann ich euch sagen, a Hitchcockfilm, des war a Schlaflied dagegen. Aber als Kirchenmaus ist man ja diskret und verschwiegen – Ehrensache-! 

1952 ist dann der Pfarrer Dr. Stöttner nach Traunreut gekommen. Vorher war er Jugendseelsorger in München. Er war nicht groß, aber riesig gescheit und predigen hat der können, einfach sagenhaft. Da ist es den Sünderlein manchmal mächtig heiß geworden. Dazu war er noch fleißig und sehr sparsam. Und er wollte unbedingt a richtige Kirch! So mit Glockenturm und allem drum und dran. Also hat er sich auf sein Radl geschwungen und hat die Bauern der Umgebung besucht, hat so lang mit ihnen diskutiert, bis sie Bauholz, Steine und Arbeitstunden spendiert haben. Alle Leistungen hat er feinsäuberlich in einem Bücherl notiert. Mit dem Zug ist er dann nach München gefahren, immer auf der Suche nach Zuschüssen und sonstigen Vergünstigungen. In der bischöflichen Finanzkammer ist es den Herren immer ganz heiß geworden, wenn der Bürodiener gemeldet hat, dass der Stöttner aus Traunreut mit seinem Rucksack wieder draußen ist. Bei soviel Einsatz und Hartnäckigkeit hat man dann am 13. Mai 1954 mit dem Bau der Kirche beginnen können. Gebaut hat die Kirch der Vater vom Rudolf Scheck – i glaub, Voderauer hat die Firma geheißen – der leider nicht mehr lebt, und der Dachstuhl ist vom Zimmermannsmeister Hausschmid aus Oberweißenkirchen konstruiert worden. 

Zur Grundsteinlegung war dann am 20. Juni der Weihbischof Neuhäusler in Traunreut und am 14. November 1954 hat der Kardinal Wendel – ein Studienkollege vom Dr. Stöttner – die neue Kirche geweiht. Der Pfarrer Dr. Stöttner hat sich gefreut und mit ihm die ganze Pfarrei, aber zufrieden war er noch ganz und gar nicht. Denn was ist schon eine Kirch ohne einen Campanile mit a paar Glocken drinn! Also wieder rauf auf das Radl, den Rucksack umgeschnallt und weiter mit Behörden und Bauern diskutiert. Und siehe da, ein Jahr später hatte unsere Kirch einen Turm mit zwei Glocken. 1956 sind wir dann auch eine selbstständige Pfarrei geworden. Vorher waren wir eine Kuratie, ich glaub, so heißt das! 

1958 ist unser Pfarrer dann zusammen mit seiner Haushälterin – der Strasser Maria – in das neue Pfarrhaus eingezogen. Mei, die Maria, des war a richtig gute Köchin und auch sonst ein sehr nettes Mädel. Sehr sparsam hat sie zwar immer wirtschaften müssen, aber in ihrer Speis da war immer was Feines zu finden und unser Dr. Stöttner war zwar sparsam, aber auch ein richtiger Feinschmecker. Neue bunte Fenster hat unsere Kirche dann auch bekommen und unser Kreuz vom Hochaltar wurde renoviert und der Kunstmaler Sperl hat es noch schön vergoldet. Mit meiner bayrischen Ruh war es allerdings vorbei, denn 1958 ist auch die Orgel gebaut worden und der Benker Fritz hat gleich voller Begeisterung sein Amt als Kirchenmusiker ausgeübt. Die Orgel war immer sein Baby, wie man auf neudeutsch sagt. Und wie sie später schon in die Jahre gekommen war, hat er mit viel Geschick ihre Pfeifen erneuert und ihr auch dann noch liebliche Töne entlockt, als die anderen gemeint haben, sie ist hin! 

Aber auch die schönste Musik kann einem manchmal zu viel werden und so bin ich immer auf Erkundungstour durch den Pfarrhof gegangen, wenn mir seine Quinten und Terzen zu viel geworden sind. 

Da sind mir meistens die Kapläne begegnet 1963 der Heinz Obermayer, ein recht netter Bursch, 1965 der Günter Krasnitzky, sehr gescheit, aber rebellisch. Da hat es oft Diskussionen mit dem Pfarrer gegeben! Jetzt sind beide schon in der Ewigkeit und haben sicher immer noch nicht ausdiskutiert. 1969 dann der Rupert Fischberger, das war ein ganz Stiller. 1971 wurde der dann vom Anton Schönauer abgelöst. GAP hat ihn die Jugend genannt – sein Autokennzeichen war Garmisch-Partenkirchen und alle haben ihn sehr gerne gehabt. 1974 kam der Theo Seidl, unkonventionell, bärtig, und einem guten Weißbier nicht abgeneigt, deshalb war er mir als echt bayrischer Kirchenmaus auch so richtig sympathisch und auch die Jungen waren begeistert, denn mit dem Theo gab´s halt immer eine Gaudi. 

1978/1980 haben unsere Kapläne dann Albert Hell und Engelbert Wollmann geheißen. Der Albert Hell war ein wenig schüchtern, so auf den ersten Blick jedenfalls. Aber er hat auch recht lustig sein können, und den Engelbert Wollmann hat unser Herrgott erst im gestandenen Mannesalter in seinen Weingarten berufen, daher hat er das Ganze schon viel gelassener gesehen. Nicht so ganz einig war sich unser Pfarrer dann mit dem Winfried Gabrüsch, der im Jahr 1980 zu uns `kommen ist. Da hab ich öfter Mäuserl gespielt und das war immer äußerst unterhaltsam. Ja, wo Menschen sind, da menschelt es eben, auch wenn es sich um geistliche Herren handelt! Und beinahe hätte ich es vergessen! 1963 hat unser Campanile dann noch zwei neue Glocken bekommen, eine großzügige Spende von Herrn Bogina. Richtig festlich hat es jetzt geklungen, wenn die 4 Glocken zum Kirchgang an Sonn-und Feiertagen gerufen haben. Für den Kirchenschmuck, der bei uns immer besonders schön ist, hat zuerst die Tante Anna – Anna Fritz – gesorgt. Später ist dann die Barbara Ljubisic ihre Assistentin geworden, die als unsere „Blumenfee“ auch heute noch darauf bedacht ist, dass unsere Kirche besonders an den Hochfesten immer eine Augenweide darstellt. Dabei achtet sie streng auf Akkuratesse und größte Genauigkeit, was den jeweiligen Messner und den Hausmeister stets gewaltig „umtreibt“, wie man in Bayern sagt. In dieser Zeit ist auch Traunreut jedes Jahr ein Stückchen gewachsen und damit auch die Pfarrgemeinde. Im Pfarrbüro hatten die Sekretärinnen stets alle Hände voll zu tun, denn unser Pfarrer Stöttner hat nicht nur von sich, sondern auch von seiner Umgebung immer höchsten Einsatz verlangt. Zuerst war es Frau Rathay, äußerst tüchtig und sehr korrekt, dann Frau Krischkov – eine Art Mutter der Nation – zusammen mit Frau Lesch. Den Damen bin ich allerdings immer ein bisserl aus dem Weg gegangen, denn die haben immer gleich geschrien – huch, eine Maus – und sind auf die Stühle gesprungen, wenn`s mich gesehen haben. Da bekommst du dann als einschichtiger Mäusejüngling einen halben Herzinfarkt und kannst rennen wie ein Narrischer! 

Eine Kirchenverwaltung hat es gegeben, mit dem Herrn Blank als Chef und einen Pfarrgemeinderat. Von Letzterem war der Dr. Stöttner nicht so recht begeistert, besonders dann nicht, wenn er anderer Meinung war und das war er oft. Trotzdem hat der Herr Pimeisl 2 ganze und eine halbe Amtsperiode durchgehalten. Ganz genau ist es bei ihm immer gegangen und wenn die Weiberleut zu aufmüpfig (vorlaut auf hochdeutsch) waren, hat er schon recht finster dreinschauen können. Seine Nachfolge hat die Frau Charlotte Helten angetreten. Ich sehe sie noch vor mir, wie sie mit ihrer großen, schwarzen Aktentasche und mit der Goldi(einem schwarzen, ziemlich nervösen Pudel) zu den Sitzungen gekommen ist. Die Frau Helten hab ich sehr gern gehabt und sie hat auch viel für die Pfarrei getan, der Pudel war mir weniger sympathisch, der hat mich immer in die Flucht gejagt. Farbe und Schwung in unser Gemeindeleben haben auch unsere Katechetinnen gebracht. Das war die Frau Eschenbach, Frau Aschenbrenner-Egger, das Katechetenehepaar Otto und die unvergessene Schwester Therese. Der Pfarrsaal und die beiden Kindergärten wurden gebaut und die große, lebendige Gemeinde pulsierte in allen Bereichen. Der Dr. Stöttner war in diesen Jahren unermüdlich mit seinem inzwischen recht altersschwach gewordenen Fahrrad unterwegs. Von dem neuen Fahrrad, das ihm die Gemeinde zum 70. Geburtstag geschenkt hat, war er nicht recht begeistert. Im kirchlichen Leben dagegen war er für alles Fortschrittliche immer offen. Er hat viele Neuerungen im Pfarrleben eingeführt. Manchmal haben seine Pfarrkinder ihn nicht recht verstanden, denn im Denken war er seiner Zeit weit voraus. 

Ich glaub es war im Jahr 1984, als das Gerücht die Runde machte, dass der Pfarrer Dr. Stöttner in den Ruhestand gehen will. Für mich als Kirchenmaus war das ein richtiger Schock, denn ich konnte mir unsere Kirche ohne den Dr. Stöttner einfach nicht vorstellen und allen anderen ist das gerade so gegangen. 

Am 16. September 1985 war dann auch unser Herrgott der Meinung, sein treuer Arbeiter hätte das Ausruhen verdient. Er hat unseren Pfarrer heim geholt! Traunreut war in den Tagen des Abschiedes wie gelähmt und seine Pfarrkinder kamen sich vor, wie verlassene Schafe. 

Wie sollte das weitergehen?

Aber wie immer im Leben, so ist es auch dieses Mal wieder weiter gegangen. In den folgenden, pfarrerlosen Monaten hat sich der Herr Pfarrer Datzmann aus Traunwalchen um uns gekümmert und dafür waren wir ihm sehr dankbar. 

Dann hat Pfarrer Otto Höher seinen Dienst bei uns angetreten. Groß und stattlich und ein richtiger Praktiker! Gebaut hat er auch ganz gern. 

So wurde unter seiner Regie der Pfarrhof saniert und umgebaut, der Pfarrsaal renoviert und die beiden Kindergärten, sowie der Kinderhort saniert und neu möbliert. Mit der Büroarbeit stand er allerdings etwas auf dem Kriegsfuß, was für die Sekretärinnen manchmal ein echtes Problem darstellte. 

Aber auch neue Kapläne sind wieder zu uns gekommen. 1985 war es der Leo Sobik, ein sehr fescher und stets freundlicher junger Mann und der heimliche Schwarm mancher weiblicher Kirchgänger. 1987 der Dr. Rudolf Voderholzer – damals war er noch kein Doktor, aber eine Denkerstirn hat er schon gehabt-! 1989 hat dann der Dr. Paul Schinagl zusammen mit dem Diakon Westermeier seinen Dienst angetreten. Die Zwei haben sehr gut zusammen gearbeitet, dem Pfarrherrn war das allerdings manchmal zu eigenmächtig und da hat es öfter einmal „gescheppert“ wie man in Bayern sagt. 1990 hat der Stefan Füger bei uns angefangen. Ein lieber Mensch und für unsere Jugend ein Kamerad, für den sie durchs Feuer gegangen wäre. 1991 ist Frau Helten nach langer, schwerer Krankheit in die Ewigkeit abberufen worden. Ihre Nachfolgerin im Amt der PGR-Vorsitzenden wurde die Auer Margarete. Seitdem sorgt die Frau öfter für Heiterkeit bei verschiedenen Veranstaltungen, denn immer, wenn sie nicht weiß was sie sagen soll, macht sie halt ein Gedicht. 

1992 ist der Jakob Paula als Kaplan zu uns gekommen. Ein stiller, sehr feinfühlender Seelsorger für alle Altersklassen. Sein Markenzeichen waren ein weiter Pullover – ein Geschenk der Jugend und handgestrickt 

– ein dicker Schal im Winter und Sandalen bei jeder Wetterlage.

So sind die Jahre dahin gegangen, und bei all dem Leben in der Pfarrei hat man gar nicht gemerkt, wie rasch die Zeit vergeht. Plötzlich haben unser Hausmeister Illig – ein Allroundgenie in Sachen Handwerk, der Meister der Orgel – unser Benker Fritz, und die gute Seele des Büros die Frau Krischkov – sich in die Rente verabschiedet. 

Für Computer und Parteiverkehr waren nun die Fr. Staufer und die Fr. Dopler zuständig, zwei sehr liebenswerte Mädels, die sich bald die Herzen unserer „Pfarrkundschaft„ erobert hatten. Das Amt des Kirchenmusikers wurde dem Michael Paschwitz übertragen. Er war auch ein echter Künstler an der Orgel. 1994 ist dann der Kögler Ernstl bei uns Kaplan geworden. Den Ernstl hat man einfach gern haben müssen. Von Statur war er schmal wie ein Handtuch, aber immer freundlich zu jedermann. Im Fasching war er der schönste Charly Chaplin den man sich vorstellen kann. Dem Original zum verwechseln ähnlich. Sister-Act, Jesus Christ Superstar und wunderschöne Jugendgottesdienste sind auch heute noch unvergessen. 

Aber auch im Bereich der Praktiker – Messner und Hausmeister – gab es einige Veränderungen. Herr Kling – grauhaarig und sehr korrekt – hat sich auf Kursen in Freising laufend fortgebildet und war in Sachen Arbeit immer auf dem neuesten Stand. Mit den Hausmeistern hatten wir in dieser Zeit weniger Glück. Meistens war ihnen die Arbeit zu viel und der Lohn zu wenig. Erst als sich der Georg Altmann und der Kurt Kubica für diese Stellen bewarben, hatten wir wieder ein gutes Arbeitsteam. Der Kubica Kurtl hat den Herrn Kling abgelöst, als dieser in Rente gegangen ist. 

Der Kurti ist ein echter Sechzigerfan und ich habe ihn in Verdacht gehabt, dass er in der Messe manchmal von den großen Siegen seiner Mannschaft geträumt hat, wenn er gar so verschmitzt am schmunzeln war. Der Georg Altmann dagegen ist ein großer Bulldog–Fan und ein echter Handygegner, denn es muss ja schließlich nicht jeder wissen, wo er gerade am Arbeiten ist! Im September 1994 sind wir dann wieder ohne Pfarrer gewesen, denn der Pfarrer Höher wollte eine kleinere Gemeinde betreuen und hat sich nach Marquardtstein verabschiedet. 

Und so waren wir wieder „pfarrerlos“ und mächtig frustriert! 

Aber unser Herrgott hat uns nicht vergessen und so hat er uns den Pfarrer Martin Schlachtbauer geschickt. Mit seiner fröhlichen Ausstrahlung und der tiefen Religiosität hat er rasch die Herzen von Groß und Klein gewonnen und wir durften vier für die Pfarrei gute Jahre mit ihm verleben. In seiner Amtszeit haben wir die Primiz von Herrn Pfarrer Michael Ljubisic gefeiert. Ein wunderschönes Fest, an das wir uns heute noch gerne erinnern. Auch der Diakon Reiter wurde in diesen Jahren geweiht und in sein Amt in Traunreut eingeführt. Zum Glück hat der in Oderberg ein Häusl und eine liebe Frau, so dass wir nicht fürchten müssen, dass er uns verlässt. Mit dem Thomas Gruber, der 1997 als Kaplan zu uns gekommen ist, haben wir auch wieder großes Glück gehabt. Sehr fleißig war er und ein großer Italienliebhaber. Mit einer guten Pasta hat man ihn schon einmal von der Arbeit weglocken können. Der Sommer 1998 brachte dann den nächsten Schock für die Pfarrei. Pfarrer Martin Schlachtbauer sagte „buenos dias Traunreut“ und ging nach Mexiko! Für uns alle war das schlimm und die Tränen flossen reichlich zum Abschied. Damals verstanden wir Traunreuter die Welt nicht mehr. Wir haben hin und her überlegt, ob wir denn wirklich so „greislig“ (unmöglich auf hochdeutsch) sind, dass es kein Pfarrer bei uns aushält! 

In diesem Jahr ohne Pfarrer hat sich der Herr Dekan Kopp als Pfarradministrator sehr um uns gekümmert und dem Thomas Gruber die Übergangsleitung der Pfarrei anvertraut. Der hat das prima bewältigt und alle haben zusammengeholfen, dass das Pfarrleben reibungslos weitergehen konnte. Auch der Pfarrer Mladen Mrakovic von der kroatischen Gemeinde hat fleißig mitgeholfen, obwohl er mit der deutschen Sprache so einige Schwierigkeiten hatte. Aber wir haben ihn schon verstanden und waren ihm sehr dankbar. 

1999 ist dann unser Pfarrer Thomas Schlichting bei uns „eingestanden“ und die Freude war riesig! Klein und nicht sehr umfangreich von Statur hat er doch mächtig was auf dem Kasten, wie man so sagt. 

Bei uns wird jetzt super gepredigt, gebaut, erneuert, saniert – es rührt sich einfach etwas. Er ist sehr musikalisch und zusammen mit dem Franz Mitterreiter – der den Paschwitz Michael als Kirchenmusiker abgelöst hat – ist er der Meinung, dass wir unbedingt eine neue Orgel brauchen. Mit seinen Essgewohnheiten bin ich allerdings nicht recht einverstanden, denn seine Lieblingsspeise sind Suppen jeder Art und dazu trinkt er Leitungswasser – ja, sie haben schon recht verstanden. Und so etwas ist dann ein Bayer!! Mich schüttelt es schon, wenn ich nur daran denke. Als Kaplan hat er uns den Andreas Jaster mitgebracht. Ui, das war wieder ein Anblick für die Mädels von 18 bis 80! Wenn der in seinem schwarzen Talar über den Pfarrhof gegangen ist, dann hat man, verbunden mit einem tiefen Seufzer öfter hören können „mei, und so was ist ein Geistlicher!“ 

Unser Herr Blank, der so viele Jahre die Geschicke unserer Pfarrei als Kirchenpfleger mitgetragen hat, und dem wir sehr viel verdanken, ist nun allmählich amtsmüde geworden. Im Jahr 2001 hat der Hans Magosch dieses nicht immer einfache Amt übernommen. Hinter dem Geld her ist er wie der Teifi hinter der armen Seel und wenn er mit seiner schwarzen Aktentasche im Pfarrhof aufkreuzt, dann hat er bestimmt wieder über eine neue Sammlung nachgedacht. 

Aber auch Pfarrsekretärinnen kommen in die Jahre und so mussten wir im Jahr 2000 unsere liebe Frau Staufer in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden. Sehr energisch und mit einem ausgezeichneten Computerverstand begnadet ist die Frau Traspel sehr rasch die rechte Hand unseres Pfarrers geworden, denn Buchhaltung ist nicht unbedingt seine Welt, ein Künstler eben! An der Seite von Frau Traspel arbeiten heute die Frau Zieger und die Frau Dopler, die sich eine Stelle teilen. Einmal in der Woche kann man auch die Susi Pegel im Büro antreffen. Sie gehört ganz einfach zum Büroteam dazu. 

Ab September 2002 hat dann ein richtiges dream-team im Pfarrhaus gewohnt. Da war einmal der Wolfgang Neidl. Es ist nicht leicht ihn zu beschreiben, denn sogar als Kirchenmaus kommt man da leicht ins schwärmen. Vielleicht sage ich es einfach so .............. es ging jedem besser, der ihm begegnete! Und dann gab es da noch das Zeiserl .........richtig hat er Andreas Krehbiel geheißen. Sehr musikalisch, äußerst gründlich, vielseitig.... nur als Wegweiser überhaupt nicht zu gebrauchen, da hat er meistens die Straßen verwechselt. Dazu eine kurze Episode: -Zeiserl und Neidl auf dem Weg zu einem achtzigsten Geburtstag. Winter, 20 Grad unter Null, Beide schon blau gefroren. Zeiserl verkündet, dass er den Weg kennt, Neidl folgt frosterstarrt. Endlich Haus von Frau Meier gefunden, man läutet, Frau Meier erscheint, hat aber höchstens 30 Jahre in ihrem Pass! Im Juli 2003 haben wir mit unserem Zeiserl dann noch seine Nachprimiz in Traunreut gefeiert. Der Oktober 2003 brachte uns dann die Primiz von Andreas Günther. Ein großes Ereignis bei dem die ganze Stadt auf den Beinen war. In diesem Jahr hat buchstäblich ein Fest das andere abgelöst, denn unser Mesner wollte auch unbedingt Rentner werden und so haben wir auch ihn verabschiedet und sozusagen hauptamtlich ins Grünwalder Stadion entlassen. Der neue Mesner heißt jetzt Schreckenbauer und er und der Herr Altmann ergänzen sich bei Mesnerdienst und Handwerk ausgezeichnet. Zur Zeit ist der Altmann Schorsch allerdings nicht so gut auf den Mesner zu sprechen, denn der hat den Handwerkern von der Stadt erlaubt, dass sie dem Schorsch seinen Palmkatzlbaum umschneiden dürfen, den er extra für die Frau Ljubisic zum Kirchenschmuck gepflanzt hat. Aber, wie heißt es schon in der Bibel, wir müssen verzeihen – nicht sieben mal, sondern sieben mal siebzig mal! 

2003 hat auch das jetzige Pfarrteam seinen Dienst angetreten. Da ist einmal der Armin Thaller, den derzeit die Weltjugendtage 2005 mächtig in Atem halten und der sich mit seinem computergesteuerten Terminkalender manchmal nicht ganz einig ist, und der Dr. Vogler, sehr gescheit und belesen, dem ich als einfache Kirchenmaus oft nicht ganz folgen kann. Aber in der letzten Zeit wird es immer besser. 

Du meine Güte, jetzt habe ich euch aber wirklich eine ganze Menge erzählt. Doch ein 50. Geburtstag weckt viele Erinnerungen. So wünsche ich heute unserer Kirche und allen ihren Menschen Gottes Segen, den Verantwortung tragenden eine glückliche Hand und viel Mut und Zuversicht bei ihrer Arbeit. Mit Liebe und Dankbarkeit denke ich an alle, die uns in die Ewigkeit vorangegangen sind. Besonders an unseren ersten Pfarrer Dr. Stöttner. Ich glaube, er schaut ganz zufrieden herunter auf seine Traunreuter und auf die lange Kette von 50 Jahren, in der sich seine Kirche immer wieder erneuert hat und dabei jung geblieben ist. Und eines ist gewiss! Bei unserem Herrgott haben wir einen guten Fürsprecher!

Herzlichst

Eure Kirchenmaus                                                                                                                  MargareteAuer