Wenn auch die Jahre vergehen, bleibt doch die Erinnerung wach……!

 

Wastl die pensionierte Kirchenmaus erinnert sich………..

Am 21. September 2014 haben wir das 60 jährige Bestehen unserer Kirche zum hl. Erlöser in Traunreut gefeiert. Bei dieser Gelegenheit sind meine Gedanken rückwärts gewandert und ich habe in meinen Erinnerungen gegraben und dabei so manches entdeckt was ich glaubte schon längst vergessen zu haben.

44 Jahre war ich hauptberuflich Kirchenmaus in der Traunreuter Kirche.

Ja, man hat`s nicht leicht als einschichtiger Mäuserich. Heiraten das war für mich nie drinnen, denn das Geld ist bei der Kirch bekanntlich immer knapp. Und allein, da kommst schon irgendwie durch.

Jammern tun die Pfarrer ja immer, obwohl die Zeiten schon viel besser geworden sind. Wenn ich da an das Jahr 1950 zurückdenke, da sträuben sich heut noch meine Barthaare.

1950 hab ich noch in der Notkirch am Traunring a kloans Mausloch gehabt, gleich unter dem Beichtstuhl.

Wenn`s ma langweilig war, dann bin ich immer daheim geblieben, wenn die hochwürdigen Herren  ich glaub Pfarrer Wappmannsberger, Kaplan Haab und Dr. Keller haben sie geheißen- die Beichte gehört ham! Mei, des war interessant, des kann ich euch sagen, a Hitchcockfilm, des war a Schlaflied dagegen.

Aber als Kirchenmaus ist man ja diskret und verschwiegen- Ehrensache!!

1952 ist dann der Pfarrer Dr. Wendelin Stöttner nach Traunreut gekommen. Vorher war er Jugendseelsorger in München.

Er war nicht groß, aber riesig gescheit und predigen hat der können, einfach sagenhaft. Da ist es den Sünderlein manchmal mächtig heiß geworden. Dazu war er noch fleißig und sehr sparsam.

Und er wollte unbedingt a richtige Kirch! So mit Glockenturm und allem drum und dran. Also hat er sich auf sein Radl geschwungen und hat die Bauern der Umgebung besucht, hat so lang mit ihnen diskutiert, bis sie Bauholz, Steine und Arbeitsstunden spendiert haben. Alle Leistungen hat er feinsäuberlich in einem Bücherl notiert. Mit dem Zug ist er anschließend nach München gefahren, immer auf der Suche nach Zuschüssen und sonstigen Vergünstigungen. In der bischöflichen Finanzkammer ist es den Herren immer ganz heiß geworden, wenn der Bürodiener gemeldet hat, dass der Stöttner aus Traunreut mit seinem Rucksack wieder draußen ist.

Bei soviel Einsatz und Hartnäckigkeit hat man am 13. Mai 1954 mit dem Bau der Kirche beginnen können.

Gebaut hat die Kirch der Vater vom Rudolf Scheck – i glaub, Voderauer hat die Firma geheißen und der Dachstuhl ist von den Zimmermeistern Hausschmid und Ludwig Hartl aus Oberweißenkirchen  konstruiert worden.

Zur Grundsteinlegung war dann am 20. Juni der Weihbischof Neuhäusler in Traunreut und am 14. November 1954 hat der Kardinal Wendel- ein Studienkollege vom Dr. Stöttner – die neue Kirche geweiht.

Der Pfarrer hat sich gefreut und mit ihm die ganze Pfarrei, aber zufrieden war er noch ganz und gar nicht. Denn was ist schon eine Kirch ohne einen Campanile mit ein paar Glocken drinn!

Also wieder rauf auf das Radl, den Rucksack umgeschnallt und weiter mit Behörden und Bauern, sowie Sponsoren diskutiert. Und siehe da, ein Jahr später hatte unsere Kirch einen Turm mit zwei Glocken.

1956 sind wir dann auch eine selbständige Pfarrei geworden. Vorher waren wir eine Kuratie- ich glaub, so heißt das.

1958 ist unser Pfarrer dann zusammen mit seiner Haushälterin – der Strasser Maria – in das neue Pfarrhaus eingezogen. „die Maria“ wie sie allgemein genannt wurde, des war a richtig gute Köchin und auch sonst ein sehr nettes Mädel. Sehr sparsam hat sie zwar wirtschaften müssen, aber in ihrer Speis da war immer was Feines zu finden, denn unser Dr. Stöttner war zwar äußerst sparsam, aber auch ein richtiger Feinschmecker.

Neue bunte Fenster hat unsere Kirche auch bekommen und das Kreuz vom Hochaltar wurde renoviert und vom Kunstmaler Sperl schön vergoldet.

Mit meiner bayrischen Ruh war es allerdings vorbei, denn 1958 ist auch die Orgel gebaut worden und der Benker Fritz hat gleich voller Begeisterung sein Amt als Kirchenmusiker ausgeübt. Ab sofort war die Orgel sein Baby und wie sie später schon in die Jahre gekommen war, hat er mit viel Geschick ihre Pfeifen erneuert und ihr auch dann noch liebliche Töne entlockt, als die anderen gemeint haben sie ist hin!

Aber auch die schönste Musik kann einem manchmal zu viel werden und so bin ich immer auf Erkundungstour durch den Pfarrhof gegangen, wenn mir die Quinten und Terzen zuviel geworden sind.

Da sind mir meistens die Kapläne begegnet. 1963 der Heinz Obermayer, ein recht netter Bursch. 1965 der Günter Krasnitzky, sehr gescheit, aber rebellisch. Da hat es oft Diskussionen mit dem Pfarrer gegeben. Jetzt sind Beide schon in der Ewigkeit und haben sicher immer noch nicht ausdiskutiert.

1969 dann der Rupert Fischberger – das war ein ganz Stiller- und 1971 Anton Schönauer.

1974 kam der Theo Seidl, unkonventionell, bärtig und einem guten Weißbier nicht abgeneigt, deshalb war er mir als echt bayrischer Kirchenmaus auch so richtig sympathisch und auch unseren Jugend war begeistert, denn wo der Theo war gab`s immer eine Gaudi.

1977/1978 haben unsere Kapläne Albert Hell und Engelbert Wollmann geheißen.

Der Albert Hell war ein wenig schüchtern, so auf den ersten Blick jedenfalls. Aber er hat auch recht lustig sein können.

Den Engelbert Wollmann hat unser Herrgott erst im gestandenen Mannesalter in seinen Weinberg berufen, daher hat er das Ganze schon viel gelassener gesehen.

Nicht so ganz einig war sich unser Pfarrer mit dem Winfried Gabrüsch, der im Jahr 1980 zu uns gekommen ist.

Ja, wo Menschen sind, da menschelt es eben, auch wenn es sich dabei um geistliche Herren handelt.

Und beinahe hätte ich es vergessen! 1963 hat unser Campanile dann noch zwei neue Glocken bekommen. Eine großzügige Spende von Herrn Bogina. Richtig festlich hat es jetzt geklungen, wenn die vier Glocken zum Kirchgang an Sonn- und Feiertagen gerufen haben.

In dieser Zeit ist auch Traunreut jedes Jahr ein Stückchen gewachsen und damit auch die Pfarrgemeinde.

Im Pfarrbüro hatten die Sekretärinnen stets alle Hände voll zu tun, denn unser Pfarrer Dr. Stöttner hat nicht nur von sich, sondern auch von seiner Umgebung immer höchsten Einsatz verlangt.

Zuerst war es Frau Rathay, äußerst tüchtig und sehr korrekt, dann Frau Krischkov – eine Art Mutter der Nation – zusammen mit Frau Lesch.

Eine Kirchenverwaltung wurde gewählt, mit dem Herrn Blank als Chef  und ein Pfarrgemeinderat. Von Letzterem war Dr. Stöttner nicht so recht begeistert, besonders dann nicht, wenn das Gremium anderer Meinung war und das war es oft. Trotzdem hat Herr Pimeisl zwei ganze und eine halbe Amtsperiode durchgehalten. Ganz genau ist es bei ihm immer gegangen und wenn die Weiberleut zu aufmüpfig (vorlaut auf hochdeutsch) waren, hat er schon recht finster dreinschauen können.

Seine Nachfolge hat die Frau Charlotte Helten angetreten. Ich sehe sie noch vor mir, wie sie mit ihrer großen schwarzen Aktentasche und mit der Goldi (einem schwarzen, ziemlich nervösen Pudel) zu den Sitzungen gekommen ist.

Die Frau Helten hab ich sehr gern gehabt und sie hat auch viel für die Pfarrei getan. Der Pudel war mir weniger sympathisch, denn der hat mich immer in die Flucht gejagt.

Farbe und Schwung in unser Gemeindeleben haben auch unsere Katechetinnen gebracht. Das waren die Frau Eschenbach, Frau Aschenbrenner-Egger, das Katechetenpaar Otto und die allseits sehr beliebte Schwester Therese.

Der Pfarrsaal und die beiden Kindergärten wurden gebaut und die nun schon recht umfangreiche, lebendige Gemeinde pulsierte in allen Bereichen. Dr. Stöttner war in diesen Jahren unermüdlich mit seinem inzwischen recht altersschwach gewordenen Fahrrad unterwegs. Von dem neuen Fahrrad, das ihm seine Gemeinde zum 70. Geburtstag geschenkt hat, war er nicht recht begeistert. Im kirchlichen Leben dagegen war er für alles fortschrittliche immer offen und hat viele Neuerungen im Pfarrleben eingeführt. Manchmal haben seine Pfarrkinder ihn nicht recht verstanden, denn im Denken war er seiner Zeit weit voraus.

Ich glaub es war im Jahr 1984 als das Gerücht die Runde machte, dass Pfarrer Dr. Stöttner in den Ruhestand gehen will. Für mich als Kirchenmaus war das ein richtiger Schock, denn ich konnte mir unsere Kirche ohne Dr. Stöttner einfach nicht vorstellen und allen anderen ist das gerade so gegangen.

Am 16. September 1985 war dann auch unser Herrgott der Meinung, sein treuer Arbeiter hätte das Ausruhen verdient.

Er hat unseren Pfarrer heimgeholt! Traunreut war in den Tagen des Abschiedes wie gelähmt und seine Pfarrkinder kamen sich vor wie verlassene Schafe.

Wie sollte es weitergehen?

Aber wie immer im Leben, so ist es auch wieder weiter gegangen. In den folgenden, pfarrerlosen Monaten hat sich Herr Pfarrer Datzmann aus Traunwalchen um uns gekümmert und dafür waren wir ihm sehr dankbar.

Dann hat Pfarrer Otto Höher seinen Dienst in Traunreut angetreten. Groß und stattlich, ein richtiger Praktiker! Gebaut hat er sehr gerne und so wurde unter seiner Regie der Pfarrhof saniert und umgebaut, der Pfarrsaal renoviert und die beiden Kindergärten, sowie der Kinderhort saniert und neu möbliert. Mit der Büroarbeit stand er allerdings auf dem Kriegsfuß, was für die Sekretärinnen manchmal ein echtes Problem darstellte.

Aber auch neue Kapläne sind wieder zu uns gekommen. 1985 war es der Leo Sobik, ein sehr fescher und stets freundlicher junger Mann und der heimliche Schwarm mancher weiblicher Kirchgänger. 1987 der Dr. Rudolf Voderholzer – damals war er noch kein Doktor, aber eine Denkerstirn hat er schon gehabt. Jetzt ist der Bischof von Regensburg.

1989 hat dann Dr. Paul Schinagl zusammen mit Diakon Westermeier seinen Dienst angetreten. Die Beiden haben sehr gut zusammen gearbeitet. Dem Pfarrherrn war das allerdings manchmal zu eigenmächtig und da hat es öfter einmal „gescheppert“ wie man in Bayern sagt.

1990 hat der Kaplan Stefan Füger bei uns angefangen. Ein lieber Mensch und für unsere Jugend ein richtiger Kamerad, für den sie durchs Feuer gegangen wäre. Sister-Act, Jesus Christ Superstar und wunderschöne Jugendgottesdienste sind auch heute noch unvergessen.

1991 ist Frau Helten nach langer schwerer Krankheit in die Ewigkeit abberufen worden.

Ihre Nachfolgerin im Amt als PGR-Vorsitzende wurde die Auer Margarete. Bis zum Jahr 2014 sorgte die Frau öfter für Heiterkeit bei verschiedenen Veranstaltungen, denn immer wenn sie nicht wusste was sie sagen sollte, hat sie ein Gedicht gemacht.

1992 ist der Jakob Paula als Kaplan zu uns gekommen. Ein stiller, sehr feinfühliger Seelsorger für alle Altersklassen. Seine Markenzeichen waren ein weiter Pullover – ein Geschenk der Jugend und handgestrickt- ein dicker Schal im Winter und Sandalen bei jeder Wetterlage.

So sind die Jahre dahin gegangen und bei all dem Leben in der Pfarrei hat man gar nicht gemerkt, wie rasch die Zeit vergeht. Plötzlich haben unser Hausmeister Illig – ein Allroundgenie in Sachen Handwerk, der Meister der Orgel – unser Fritz Benker- und die gute Seele des Büros – Frau Krischkov – sich in die Rente verabschiedet.

Für Computer und Parteiverkehr waren nun die Frau Staufer und Frau Dopler zuständig. Zwei sehr liebenswerte Mädels, die sich bald die Herzen unserer „Pfarrkundschaft“ erobert hatten.

Das Amt des Kirchenmusikers wurde dem Michael Paschwitz übertragen. Ein echter Künstler an der Orgel.

1994 ist dann der Kögler Ernstl bei uns Kaplan geworden. Den Ernstl hat man einfach gern haben müssen. Von Statur schmal wie ein Handtuch, aber immer freundlich zu jedermann. Im Fasching war er der schönste Charly Chaplin den man sich vorstellen kann. Dem Original zum verwechseln ähnlich.

Aber auch im Bereich der Praktiker – Mesner und Hausmeister – gab es einige Veränderungen. Unser Mesner wurde der Herr Kling – grauhaarig und sehr korrekt – durch Fortbildungskurse in Freising in Sachen Arbeit immer auf dem neuesten Stand.

Mit den Hausmeistern hatten wir in dieser Zeit weniger Glück. Meistens war ihnen die Arbeit zu viel und der Lohn zu wenig.

Erst als sich der Georg Altmann und der Kurt Kubica für diese Stellen bewarben, hatten wir wieder ein gutes Arbeitsteam.

Der Kubica Kurtl hat den Herrn Kling abgelöst, als dieser in Rente ging.

Der Kurtl ist ein echter 60er Fan und ich habe den Verdacht gehabt, dass er in der Messe manchmal von den großen Siegen seiner Mannschaft geträumt hat, wenn er gar so verschmitzt am schmunzeln war.

Der Georg Altmann dagegen ist ein großer Bulldog-Fan und damals ein echter Handygegner, denn es muss schließlich nicht jeder wissen, wo er gerade am Arbeiten ist!

Im September 1992 sind wir dann wieder ohne Pfarrer gewesen, denn Pfarrer Höher wollte eine kleinere Gemeinde betreuen und hat sich nach Marquardtstein verabschiedet.

Und so waren wir wieder „pfarrerlos „ und mächtig frustriert!

Aber unser Herrgott hat uns nicht vergessen und so kam Pfarrer Martin Schlachtbauer zu uns. Mit seiner fröhlichen Ausstrahlung und der tiefen Religiosität hat er rasch die Herzen von Groß und Klein gewonnen und wir durften vier für die Pfarrei gute Jahre mit ihm verleben.

In seiner Amtszeit haben wir die Primiz von Pfarrer Michael Ljubiscic feiern.

Auch Diakon Helmut Reiter wurde in diesen Jahren geweiht und in sein Amt in Traunreut eingeführt.

Mit dem Thomas Gruber, der 1997 als Kaplan zu uns gekommen ist, haben wir auch wieder großes Glück gehabt.

Sehr fleißig war er und ein großer Italienliebhaber. Mit einer guten Pasta hat man ihn schon einmal von der Arbeit weglocken können.

Der Sommer 1998 brachte dann den nächsten Schock für die Pfarrei. Pfarrer Schlachtbauer sagte „buenos dias Traunreut“ und ging nach Mexiko.

Für uns alle war das sehr schlimm und die Tränen flossen reichlich zum Abschied.

Damals verstanden wir Traunreuter die Welt nicht mehr. Wir haben hin und her überlegt, ob wir wirklich so „greislich“ (unmöglich auf hochdeutsch) sind, dass es kein Pfarrer bei uns aushält.

In diesem Jahr ohne Pfarrer hat sich der Herr Dekan Kopp als Pfarradministrator sehr um uns gekümmert und dem Thomas Gruber die Übergangsleitung der Pfarrei anvertraut. Dieser hat seine Aufgabe ausgezeichnet bewältigt und auch alle ehrenamtlichen Mitarbeiter haben zusammen geholfen, dass das Pfarrleben reibungslos weitergehen konnte.

1999 ist dann Pfarrer Thomas Schlichting bei uns „eingestanden“ und die Freude war riesig! Klein und nicht sehr umfangreich von Statur hatte er doch mächtig was auf dem Kasten, wie man so sagt.  

Sehr gescheit, humorvoll und weltgewandt gab es keine Situation in der er sich nicht zu helfen wusste. Er reparierte Lichtleitungen, erneuerte Lichtschalter und brachte unsere recht betagte Turmuhr wieder zum Schlagen. Unter seiner Leitung wurde das Pfarrhaus umgebaut und die neue Orgel feierlich eingeweiht. Er kümmerte sich um die Kindergärten, seine Predigten hatten Tiefgang, bei Festen und Feiern der Pfarrei war er ein hervorragender Entertainer.

Als Kaplan hat er uns den Andreas Jaster mitgebracht. Das war wieder ein Anblick für die Mädels von 18 bis 80 ! Wenn der in seinem schwarzen Talar über den Pfarrhof gegangen ist, dann hat man, verbunden mit einem tiefen Seufzer, öfter hören können „mei, und so was is a Geistlicher!“

Herr Franz Mitterreiter hat von Herrn Paschwitz das Amt des Kirchenmusikers übernommen und unser Herr Blank, der so viele Jahre die Geschicke unserer Pfarrei als Kirchenpfleger mitgetragen hat, und dem wir sehr viel verdanken, wurde allmählich amtsmüde.

Im Jahr 2001 hat der Hans Magosch dieses nicht immer einfache Amt übernommen. Hinter dem Geld war er her, wie der Teufel hinter der armen Seel und wenn er mit seiner schwarzen Aktentasche im Pfarrhof aufgekreuzt ist, dann hat er bestimmt über eine neue Sammlung nachgedacht.

Sein Nachfolger ist der Wolfgang Grill seines Zeichens Computergenie mit harmonischer Ausstrahlung. Es mag ihn halt einfach a jeder, den Wolferl!

Aber auch Pfarrsekretärinnen kommen in die Jahre und so wurde Frau Staufer im Jahr 2000 in den Ruhestand verabschiedet

Sehr energisch und mit einem ausgezeichneten Computerverstand begnadet, hat die Frau Traspel diese Aufgabe übernommen. Mit ihr arbeiten Frau Stadler (damals noch Zieger) und Frau Dopler, die sich eine Stelle teilen.

Einmal in der Woche kann man dort auch unsere Susi antreffen und man wird meistens mit dem Satz begrüßt:“ Gell da schaust, dass i wieder da bin, denn ohne mich geht ja gar nichts!“

Ab September 2002 hat ein richtiges dream-team im Pfarrhaus gewohnt. Zusammen mit Pfarrer Schlichting wohnte dort der Wolfgang Neidl als Kaplan und der Priesteramtsanwärter Andreas Krehbiel.

Es ist nicht leicht den Kaplan Neidl zu beschreiben, denn sogar als Kirchenmaus kommt man da leicht ins schwärmen. Vielleicht sage ich es einfach so…….es ging jedem besser, der ihm begegnete!

Sehr musikalisch, vielseitig und äußerst gründlich war der Andreas Krehbiel - auch „Zeiserl“ genannt…..nur als Wegweiser überhaupt nicht zu gebrauchen, denn er hat meistens die Straßen verwechselt.

Dazu eine kurze Episode: - Zeiserl und Neidl auf dem Weg zu einem 80. Geburtstag. Es ist Winter, 20 Grad unter Null. Beide schon leicht blau gefroren. Zeiserl verkündet, dass er den Weg kennt. Neidl folgt frosterstarrt. Endlich Haus von Frau Meier gefunden, man läutet, Frau Meier erscheint, hat aber höchsten 30 Jahre in ihrem Pass..

Der Oktober 2003 brachte uns dann die Primiz von Andreas Günter. Das war ein Großereignis, bei dem die ganze Stadt auf den Beinen war.

In dem Jahr hat buchstäblich ein Fest das andere abgelöst, denn unser Mesner Kurtl Kubica wollte unbedingt Rentner werden und so haben wir ihn verabschiedet und sozusagen hauptamtlich ins 60er Stadion entlassen.

Der neue Mesner hieß Herr Schreckenbauer und er und der Herr Altmann ergänzten sich bei Mesnerdienst und Handwerk recht gut.

Unsere Blumenfee Frau Ljubisic hat den Kirchenschmuck an die Bastelmädels übergeben und auch unter der neuen Regie war unsere Kirche an Fest- und Feiertagen immer ein richtiger Hingucker.

Mit Kaplan Armin Thaller hielt die Computerbegeisterung Einzug in das Pfarrhaus, allerdings war er sich selten mit seinem computergesteuerten Terminkalender einig, was manchmal zu kleineren Irritationen geführt hat.

Herr Dr. Vogler damals der dritte im Seelsorgeteam gescheit und sehr belesen, war für mich als einfache Kirchenmaus allerdings manchmal eine echte Herausforderung.

Mit Pater Augustin kam 2006 der erste „schwarze Franziskaner“ zu uns. Die Margarete – nach wie vor PGR-Vorsitzende- hatte von diesem Orden noch nichts gehört und war daher der Meinung, dass sich die Bezeichnung „schwarz“ auf die Hautfarbe bezog und Pfarrer Schlichting, einem Schabernack niemals abgeneigt, hielt sich mit der Aufklärung des Irrtums natürlich zurück.

Ja, schwarz war Pater Augustin nicht, aber sehr lieb und wir freuten uns dass der liebe Gott ihn nach Traunreut geschickt hatte.

Sehr gut erinnere ich mich daran, als uns Pfarrer Schlichting mitteilte, dass ein spanischer Praktikant als Priesteramtsanwärter zu uns kommt. Da geisterte so einiges an Vorstellungen besonders in den Köpfen der holden Weiblichkeit. Temperamentvoll, dunkelhaarig, gut aussehend. Aus Jorge Gonza`lez-Carril wurde sehr rasch „unser Speedy Gonzalez (natürlich nur im Geheimen) und er entpuppte sich als echter spanischer Grande.

Das Jahr 2008 brachte Kaplan Philipp Kielbassa nach Traunreut. Zurückhaltend, gepflegt von  ansprechendem Äußeren, ein sehr ernsthafter Seelsorger. Mir als Kirchenmaus war er allerweil ein Bisserl zu ernst, denn er war einfach nach eigener Aussage net gern „narrisch“ und beobachtete infolge dessen die Faschingsbälle und fröhlichen Veranstaltungen gerne vom Balkon des Pfarrsaales, meistens mit einem versteckten Schmunzeln.

Den fröhlichen Part hat zu dieser Zeit Priesteramtskandidat Dr. Christof Hentschel übernommen. In seiner Freizeit Langstreckenläufer, Mountainbikefahrer und leidenschaftlicher Eisenbahnfan.

Es war einfach eine gute Zeit, die wir in diesen Jahren erleben durften. Es gab viel Arbeit, auch manchen Ärger und traurige Stunden des Abschieds, aber fröhliche Feste und schöne Ereignisse im Teamwork immer perfekt vorbereitet und organisiert. Eine fröhliche Gemeinschaft die zusammenhielt.

Doch plötzlich hatte unser Pfarrer Abschied im Blick, was zu unserem großen Kummer sehr bald offiziell bestätigt wurde. Keine Unterschriftenaktion und keine Bittbriefe konnten helfen, Kardinal Dr. Reinhard Marx hat ausgerechnet unseren Pfarrer Thomas Schlichting zu seinem Mitarbeiter im Ordinariat abkommandiert.

Am 21. 11. 2010 mussten wir unseren Pfarrer verabschieden und das tat schon weh, denn er war ja „unser kloana Kini“.

Und so wünsche ich heute zum 60. Geburtstag unserer Kirche und allen ihren Menschen Gottes Segen, den Verantwortung Tragenden eine glückliche Hand und viel Mut und Zuversicht bei ihrer Arbeit.

In Liebe und Dankbarkeit denke ich an alle, die uns in die Ewigkeit vorangegangen sind. Besonders an unseren ersten Pfarrer Monsignore Dr. Dr. Wendelin Stöttner. Ich glaube, er schaut ganz zufrieden herunter auf seine Traunreuter und auf die lange Kette von 60 Jahren, in der sich seine Kirche immer wieder erneuert hat und dabei jung geblieben ist. Und eines ist gewiss! Bei unserem Herrgott haben wir einen guten Fürsprecher!

Herzlichst

Euer Wastl – Kirchenmaus im Ruhestand.