„So etwas habe ich noch nie erlebt, ..."

Katholische Jugend lud zum Pascha-Mahl

 

Traunreut (mix). Die katholische Jugend der Pfarrei „Zum Heiligsten Erlöser“ in Traunreut hält jedes Jahr in der Karwoche ein Paschamahl in Anlehnung an den jüdischen Sederabend ab und lädt dazu wechselnde Gäste ein. Dieses Jahr durften im Sinne der künftigen Stadtkirche Vertreter der Pfarrgemeinderäte aus St. Georgen und Traunwalchen am Mahl teilnehmen.


Pfarrer Thomas Tauchert (links) und Diakon Uwe Kraus verteilten das Lamm beim Paschamahl der katholischen Jugend Traunreut

Der Pfarrsaal in Traunreut war völlig abgedunkelt und die Gäste wurden nach einer Händewaschung von den Jugendlichen jeweils mit einer Kerze an den für sie bestimmten Platz an der langen Tafel geleitet. Die jungen Männer und Frauen, Buben und Mädchen der katholischen Jugend hatten sich schon im Vorfeld viel Mühe mit der Vorbereitung des Mahles gegeben, sie haben das Brot selber gebacken, den Fruchtbrei hergestellt, den Tisch liebevoll geschmückt und bedienten während des Abends ihre Gäste. Entsprechend dem Anlass waren sie alle festlich gekleidet. Denn das Paschamahl oder auch Pessah-Mahl soll im feierlichen Rahmen stattfinden, in aller Ruhe und in einer ganz besonderen Atmosphäre. Pfarrer Thomas Tauchert übernahm die Rolle des Hausvaters, er sprach die entsprechenden Gebete, gab Erläuterungen ab zum Paschamahl und verteilte schließlich das Lamm, das als Hauptbestandteil des Mahles serviert wurde.

Das Paschamahl ist ein uralter jüdischer Brauch und damit auch die Wurzel des christlichen Abendmahles, das am Gründonnerstag gefeiert wird. Mit dem Mahl wird an den Auszug der Israeliten aus Ägypten erinnert. Die Geschichte vom Auszug wurde daher auch vorgelesen. Entsprechend dem überlieferten Ritual werden Bitterkräuter mit Salzwasser, ungesäuertes Brot und Lamm gegessen. Dazu gibt es Wein beziehungsweise Traubensaft. 

Jede Zutat beim Pascha-Mahl hat eine ganz bestimmte Bedeutung. Das Salzwasser, in das die Bitterkräuter getaucht werden, ist Symbol für die Tränen, die die Israeliten in Ägypten weinten. Die Bitterkräuter (Rucola und Salatblätter) sind Sinnbild der Bitterkeit des Lebens im Land der Knechtschaft. Das zum Brot gereichte, erdfarbene Fruchtmus (hebräisch Charoseth) ist ein Brei aus Früchten und erinnert an die Sklavenarbeit in Ägypten, wo Ziegel gebrannt wurden zum Bau der Pyramiden. Das Ungesäuerte Brot (Mazzen) hat seinen Ursprung in dem Erntefest der kanaanäischen Ackerbauern. Die Tatsache, dass es ungesäuert ist und etwas ärmlich wirkt, soll an die Armut der gefangenen Israeliten und an die Hektik des Aufbruchs erinnern: die Eile des Aufbruchs ließ dem Brot keine Zeit mehr zum Säuern. Der rote Wein sieht aus wie Blut und ist somit Symbol des Lebens. Beim Pessach-Mahl soll der rote Wein an das Blut der Opfertiere erinnern, das bei der Feier des Bundesschlusses vom Sinai versprengt wurde. Das Lamm schließlich ist im israelitischen Kultwesen das Opfer schlechthin. Für die Christen wurde Jesus "das Lamm Gottes".

Zum Mahl gehört nicht nur das Essen sondern auch das Zusammensitzen, das gegenseitige Vertrauen, die Kommunikation nicht nur mit den Tischgenossen sondern auch mit Gott. Der feierliche Rahmen, die gemeinsamen Gebete und Lieder, das schmackhafte Essen, alles zusammen machte aus dem Pascha-Mahl ein ganz besonderes Ereignis für alle Gäste, die sich bei den Jugendlichen herzlich für die Einladung bedankten. „So etwas habe ich noch nie erlebt, es war sehr feierlich und geschmeckt hat es ausgezeichnet“, erklärte eine Pfarrgemeinderätin aus Traunwalchen. Für die Teilnehmer aus St. Georgen war es auch ein einzigartiges Erlebnis, das sie genossen. „Wir können alle voneinander profitieren und uns gegenseitig Anregungen liefern“, meinte eine Besucherin im Hinblick auf die künftige vertiefte Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der übrigen Pfarreien im Stadtgebiet.