Ab sofort gibt’s wieder Hilfe durch die Brücke 

 

12.01.2018

Traunreut. Eine erfreuliche Nachricht gibt es dieser Tage aus der katholischen Pfarrei: Die Traunreuter Brücke wird nach nur kurzer Pause weitergeführt. Mit Angela Hofmann und Agnes Heinemann haben sich zwei neue Damen gefunden, die ab sofort wieder einmal in der Woche ehrenamtlich Hilfe anbieten. Immer montags von 9 bis 11 Uhr findet die Sprechstunde in der Herrenstube des Pfarrheims statt.

Angela Hofmann, 44 Jahre, wohnt in Hörpolding und Agnes Heinemann, 68 Jahre, kommt aus Nußdorf, lebte aber früher in Traunreut. Beide haben Ende letzten Jahres in der Zeitung davon gelesen, dass Vera Scheffler bei der Brücke aufhört und das Angebot damit eingestellt werden muss. Jede von ihnen hatte schon mit dem Gedanken gespielt, sich ehrenamtlich engagieren zu wollen. Nach kurzer Zeit des Überlegens, nahmen sie unabhängig voneinander und ohne sich zu kennen Kontakt mit der Pfarrei auf und boten ihre Dienste an. „Ich bin in Rente und will nicht immer nur daheim sitzen, ich will was tun“, erklärt Agnes Heinemann. Sie war über 40 Jahre bei Siemens beziehungsweise Siteco im Büro und kennt die Stadt von daher sehr gut. „Offensichtlich gibt es sehr viele Leute, die Hilfe brauchen und die man nicht allein lassen sollte. Ich probier das jetzt einfach mal“, betont sie. Angela Hofmann hat drei Töchter, die schon so groß sind, dass sie sich wieder anderen Aufgaben zuwenden kann. Ihre Familie habe sie in dem Entschluss, hier zu helfen, sehr bestärkt. Mit ihrem Mann Rainer Hofmann betreibt sie Tankstellen in der Region und hat in dieser Funktion in der Vergangenheit bereits an die Traunreuter Brücke gespendet. Deren Arbeit war ihr daher bekannt. „Wir werden es sicherlich anders machen als bisher, weil wir uns nicht in allen Bereichen so gut auskennen wie Vera Scheffler“, betont Angela Hofmann. Niemand werde aber ohne Hilfe weggeschickt. Vor den beiden auf dem Tisch liegt ein Ordner voll mit Adressen und Anlaufstellen für die unterschiedlichsten Anliegen: „Wenn wir nicht selber helfen können, werden wir die Leute zumindest weitervermitteln und ihnen sagen, wohin sie sich wenden sollen.“ Auf die Zusammenarbeit mit den verschiedenen im Mehrgenerationenhaus vertretenen Diensten, der Traunreuter Tafel, der Kleiderkammer und anderen Einrichtungen bauen die beiden. Und auch auf die Unterstützung von Firmen und Vereinen, die der Brücke in der Vergangenheit mit Spenden einen gewissen Handlungsspielraum ermöglichten, hoffen sie weiterhin. Auf einem Konto, das speziell für die Bedürftigen der Brücke eingerichtet ist, befindet sich noch Geld. „Das geht ohne Abzug eins zu eins an die Leute, die es dringend brauchen“, verspricht Angela Hofmann. Zusätzlich zu den beiden neuen Mitarbeiterinnen hat sich Gina Reicheneder, die schon seit einigen Jahren in der Brücke tätig war, bereit erklärt weiterhin mitzuhelfen. 


Agnes Heinemann (links) und Angela Hofmann sind ab sofort die neuen Ansprechpartner der Traunreuter Brücke.

Pfarrer Thomas Tauchert ist froh über diese Lösung und erklärt: „Die Traunreuter Brücke ist Repräsentantin der in unserer Pfarrgemeinde zu leistenden Caritas-Arbeit und damit der Sorge um die Armen, Bedürftigen und Notleidenden. Zukünftig soll verstärkt mit den schon bestehenden Angeboten der örtlichen Caritas zusammengearbeitet werden. Dankenswerterweise haben sich bei meiner Suche drei Frauen gemeldet, die Arbeit in der Pfarrcaritas vor Ort weiterzuführen. Zusammen mit der Pastoralreferentin Dr. Lüking befinden sie sich derzeit in der Einarbeitung. Ich freue mich, dass dadurch die Sorge um die Bedürftigen auf Pfarreiebene weitergeführt werden kann.“

Der neue Termin am Montagvormittag wurde bewusst so gewählt, dass er mit den Öffnungszeiten der Kleiderkammer im Pfarrheim zusammenfällt. So können die Leute beide Angebote gleichzeitig nutzen. Letzten Montag hatten die beiden Damen auch schon den ersten Fall. Eine Frau aus Traunreut hatte Probleme mit der Stromrechnung und bat um Unterstützung. „Es muss sich erst rumsprechen, dass wir jetzt immer am Montag da sind, aber wir sind zuversichtlich, dass bald mehr kommen werden“, versichern die beiden. 

Pia Mix          

 


 

12.01.2018

Traunreuter Brücke wird weitergeführt

Die Traunreuter Brücke öffnet ihre Pforten wieder am Montag, dem 22. Januar 2018, vom 9.00 bis 11.00 Uhr im Kath. Pfarrheim in Traunreut. Mehrere Personen haben sich dankenswerterweise bereiterklärt, diese wichtige Aufgabe der Pfarrcaritas in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Kleiderkammer weiterzuführen. Die Traunreuter Brücke möchte in Notlagen befindlichen Menschen helfen. Dazu wird jede Notsituation individuell betrachtet und nach geeigneten Hilfsmöglichkeiten gesucht. Wir bitten auch alle in unserem Pfarrverband lebenden Gemeindemitglieder Personen zu melden, die für eine Hilfsleistung in Betracht kommen können, die selbst aber oft nicht den Weg zur Pfarrcaritas finden. Hinweise an die Seelsorgerinnen und Seelsorger gegeben, werden vertraulich behandelt.

 


 

30.12.2017    

Leiterin Vera Scheffler hört nach 16 Jahren auf

Traunreut. Im März 2001 wurde die Traunreuter Brücke auf Initiative von Vera Scheffler hin gegründet. In all diesen Jahren konnte vielen Menschen geholfen werden, die in Not geraten waren oder Unterstützung der unterschiedlichsten Art brauchten. Ab Januar wird es vorerst keine Sprechstunden der Brücke mehr geben. Vera Scheffler hört zum Jahresende auf und hat bisher niemand gefunden, der ihre Nachfolge antreten kann und will.

Die Traunreuter Brücke war von Anfang an als Hilfseinrichtung für alle gedacht, egal welcher Herkunft oder Religion, sie wollte „eine Brücke schlagen zwischen den Behörden und den Menschen“. Vera Scheffler war lange Jahre im Sozialamt der Stadt und anschließend im Steueramt tätig. Sie kennt sich von Berufs wegen bestens mit den Bestimmungen aus und hat gute Kontakte zu den Behörden. Damals vor mehr als 16 Jahren wurden immer wieder Anfragen von Bürgern an sie herangetragen, ob sie nicht helfen könne beim Ausfüllen eines Antrages oder sonstigen Belangen. „Ich wollte nicht nur meinen Job am Schreibtisch erledigen, sondern den Menschen helfen und Unterstützung geben, die niemanden haben“, erzählt sie heute. Pfarrer Thomas Schlichting habe ihre Idee zur Gründung der Brücke mit regelmäßiger Sprechstunde im Pfarrheim damals begrüßt und sie darin unterstützt. Eduard Wiesmann, der zu jener Zeit noch Bürgermeister von Traunreut war, fuhr sogar mit ihr nach Traunstein, stellte sie bei den entsprechenden Behörden vor und bat die Beamten, die Traunreuterin in ihrem Tun zu unterstützen. 

Die Nachfrage nach den Hilfen der Brücke, zu der neben Vera Scheffler vier bis fünf weitere Ehrenamtliche gehörten, nahm stetig zu, der Andrang in den wöchentlichen Sprechstunden war oft enorm. Zwischen 15 und 20 Familien kamen mit den unterschiedlichsten Anliegen. Für aufwändigere Beratungen wurden zusätzliche, separate Termine vereinbart, bei denen sich die Ehrenamtlichen  mehr Zeit für die Einzelnen nehmen konnten. Manchmal waren es große Probleme, manchmal auch nur Kleinigkeiten, die die Menschen in ihrer Not einfach nicht mehr selber regeln konnten, weil sie nicht wussten, wohin sie sich wenden konnten, oder nicht die Kraft dazu hatten. 

Dabei kamen die Hilfesuchenden nicht nur aus dem Stadtgebiet sondern teils auch aus umliegenden Gemeinden. Neben der Hilfe im Umgang mit Behörden konnten die ehrenamtlichen Helfer auch immer mal die ärgste Not mit gespendeter Kleidung lindern, übernahmen mitunter die Stromkosten, bevor ihre Klienten in der dunklen und kalten Wohnung sitzen mussten, halfen bei Räumungsklagen und vieles andere mehr.

Eingeführt wurde auch die jährliche Aktion, bei der Pfarreiangehörige über 80 Jahre im Advent einen Weihnachtsstern bekommen, und die Kinder der betreuten Familien freuten sich immer über die Geschenke bei der eigens für sie ausgerichteten Weihnachtsfeier.

Foto: mix
Bei den Weihnachtsfeiern für die Kinder herrschte jedes Jahr großer Andrang,
Vera Scheffler und ihre Mitstreiter konnten dabei dank großzügiger Spenden viele Geschenke verteilen. 

Dank der immer mehr werdenden Spenden für die Brücke hatte das Brücken-Team die Mittel, um auf vielfältige Weise zu helfen. Vera Scheffler ist allen Spendern sehr dankbar, die Arbeit habe ihr viel Freude gemacht und bei allen auftretenden Schwierigkeiten auch viel gegeben: „Ich hatte von Anfang an eine große Liebe zu diesen Menschen, habe sie getröstet, sie verstanden, auch mal in den Arm genommen.“ 

Viele schlimme Schicksale habe sie gesehen, den Menschen aber auch immer vermitteln können: „Hier bist du richtig, hier wirst du angenommen.“ Schön sei es immer wieder, wenn sie auf der Straße von Menschen angesprochen wird, denen sie helfen konnte und die sich überschwänglich bei ihr bedanken. 2010 erhielt sie den Bürgerpreis des Landkreises Traunstein als Anerkennung für ihr großes ehrenamtliches Engagement.

Foto: mix
Vera Scheffler bekam 2010 den Bürgerpreis des Landkreises Traunstein als Anerkennung für ihr ehrenamtliches Engagement.

In den letzten beiden Jahren wurde es jedoch für Vera Scheffler zunehmend anstrengender und beschwerlicher, oft war sie nach der Sprechstunde völlig ausgelaugt und hatte teilweise auch mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Da sie nun in Rente gegangen ist, möchte sie auch mehr Zeit mit ihrem Mann Gerd verbringen, der schon länger nicht mehr arbeitet, und mit ihrer Familie. Die letzte Sprechstunde der Brücke war daher in der Woche vor Weihnachten, ab Januar findet sie nicht mehr statt. 

Schon seit Wochen hat Vera Scheffler versucht, einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin zu finden, hatte jedoch keinen Erfolg. Nach wie vor wäre sie aber bereit, jemanden einzuarbeiten, der die Brücke übernehmen will, und hofft noch immer, dass sich jemand findet.

Auch Pfarrer Tauchert weiß im Moment nicht, ob und wie es mit der Brücke weitergeht. „Es wird nicht leicht, jemanden zu finden, der sich so einsetzt wie Vera Scheffler. Wir können das nicht auffangen, es entsteht hier eine große Lücke“, betonte er im Gespräch mit der Heimatzeitung. Auch er wäre froh, wenn es weiter ginge: „Natürlich brauchen wir solche Leute, die sich um Bedürftige kümmern.“ Allerdings sei es generell sehr schwierig jemanden zu finden, der ehrenamtlich in der Pfarrei mitarbeiten will. Das merkt der Pfarrer derzeit auch bei der Suche nach Kandidaten für die Pfarrgemeinderatswahl. Unklar ist außerdem, was mit den Geldern passiert, die als Spenden für die Brücke eingegangen sind und noch immer eingehen. Sie sind zweckgebunden und können nur für Bedürftige ausgegeben werden. „Ich denke, wir werden eine Lösung dafür finden“, betont Thomas Tauchert zuversichtlich und ist dankbar für jeden Hinweis auf Menschen in der Stadt, die Hilfe brauchen und die man damit unterstützen könnte.

Pia Mix